Lagenkarte · Team

Antipathie im Team

Ihr mögt ein Kind nicht – und es merkt, dass die Heimfahrt für euch auch Erleichterung wäre.

Die Lage

Ein Kind geht euch seit Tagen gegen den Strich. Ihr haltet die Regeln ein, seid höflich, macht euren Job – und merkt trotzdem, dass Antipathie im Team mitkocht. Dann kommt der Regelbruch, der die vorzeitige Abreise rechtfertigt. Im Gespräch sagt das Kind: Ihr seid froh, dass es fährt, weil ihr es nicht abkönnt. Und irgendwo im Team war genau das hörbar geworden – ein Seufzer, ein Witz, ein Satz zu laut.

Das ist peinlich und ernst zugleich. Kinder spüren, wenn Erwachsene sie nicht mögen, oft genauer als Erwachsene denken. Eure Aufgabe ist nicht, Gefühle wegzudiskutieren, sondern fair zu bleiben: Die Abreise folgt auf den Regelbruch, nicht aufs Nichtmögen – und der Satz, der das Kind getroffen hat, gehört auf den Tisch.

Was jetzt

Antipathie intern zugeben, nicht wegleugnen. Ja, der Satz war falsch. Kein Abschwächen mit „so meinten wir das nicht“. Trotzdem trennen: Die Abreise folgt auf den Verstoß und eure Regeln, nicht auf persönliche Abneigung. Das Kind soll das als saubere Linie erleben, nicht als Rache.

Gespräch zu zweit im Team, Leitung führt – Tür offen, keine lange Therapiesitzung. Im Anschluss im Team klären, wer künftig die Beziehung hält – nicht dieselbe Person, die gelästert oder seufzt hat. Vertretung ist kein Eingeständnis von Versagen, sondern Schutz für alle.

  • Antipathie intern zugeben: Der Satz war falsch, nicht relativieren
  • Trennen: Abreise folgt auf Regelbruch, nicht auf Nichtmögen
  • Gespräch zu zweit, Leitung führt – kurz, klar, ohne Lüge
  • Im Team: Wer hält künftig die Beziehung – nicht dieselbe Person, die entgleist ist
  • Sorgeberechtigte und Träger nach Linie informieren, wenn Abreise ansteht

Nach der Abreise kurze Teamrunde: Was war der Auslöser der Antipathie, braucht es Vertretung bei ähnlichen Kindern, wie verhindert ihr, dass das im Flur wieder hörbar wird?

Nicht tun

Antipathie wird selten laut ausgesprochen – aber Kinder hören die leisen Versionen:

  • Nicht lügen („Blödsinn, ich mag dich“), wenn das Kind die Wahrheit kennt – das zerstört den Rest an Vertrauen
  • Nicht die Abreise mit Antipathie vermischen oder rechtfertigen – zwei getrennte Ebenen
  • Nicht im Team über Kinder herziehen – das ist der Anfang von dem, was das Kind gerade spürt
  • Nicht das Kind vor der Gruppe als Beweisstück nutzen – Schutz vor Scham
  • Nicht allein lange „bekehren“ wollen – Beziehung heilt nicht durch Überreden in einer Nacht

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