
Die Lage
Ein Kind wirkt auffallend still, zieht sich zurück oder äußert in Andeutungen, dass es nicht mehr leben will – manchmal im Scherz, manchmal ernst. Andere Kinder berichten Sätze, die euch nicht loslassen. Das darf niemand als Pubertätsphase oder Aufmerksamkeitstaktik abtun, auch wenn ihr unsicher seid, wie ernst es gemeint ist.
Ihr seid auf einer Freizeit Schutz und Übergabe, nicht Therapie. Eure Aufgabe ist: das Kind nicht allein lassen, Hilfe holen und die Lage an Fachstellen und Sorgeberechtigte übergeben. Ihr müsst nicht verstehen, warum jemand so denkt – ihr müsst handeln, dass niemand in dieser Lage ohne Begleitung bleibt.
Wenn die Lage akut wirkt – wenn das Kind sagt, es wolle sich etwas antun, wenn es verzweifelt ist und ihr das Gefühl habt, es könnte handeln – gilt: sofort Leitung, Träger, Sorgeberechtigte und bei Bedarf Notfall. Lieber einmal zu viel holen als zu spät.
Was jetzt
Lasst das Kind nicht allein. Eine zweite Person bleibt sichtbar in der Nähe, Leitung und Träger werden sofort informiert. Sorgeberechtigte erreicht ihr zeitnah und sachlich: Was wurde gesagt, was habt ihr beobachtet, was habt ihr bereits getan.
Sprecht mit dem Kind in der Du-Form, ruhig und klar: Du bist nicht allein. Wir holen Hilfe. Wir bleiben bei dir, bis andere da sind, die das weiter tragen. Ihr seid da – ihr seid nicht die Lösung für alles.
Fragt nicht nach Methoden, Plänen oder Details, wie jemand sich etwas antun würde. Vertieft nicht, warum jemand so denkt. Das gehört in Fachhände. Wenn das Team überfordert ist: vorzeitige Abreise in begleitetem Rahmen, nicht „aussitzen bis Sonntag“.
- Kind nicht allein lassen, zweite Person dabei
- Leitung und Träger sofort informieren
- Sorgeberechtigte sachlich informieren
- Fachstelle oder Notfall, wenn die Lage akut wirkt
- Nur halten und übergeben – keine Tiefe ausloten
Nicht tun
In dieser Lage zählt Schutz vor Diskussion – und schnelle Übergabe vor eigenem Ehrgeiz.
- Bagatellisieren — „Das meint er nicht so“ kann fatal sein, wenn ihr falsch liegt.
- Versprechen, es bleibe geheim — Sorgeberechtigte und Fachstellen müssen informiert werden; das Kind darf wissen, dass ihr Hilfe holt, nicht dass ihr schweigt.
- Diagnostizieren oder in Chats beraten — keine WhatsApp-Runden, keine Ferndiagnose.
- Nach Methoden, Plänen oder Gründen fragen — das kann die Lage verschärfen und gehört nicht in euren Aufgabenbereich.
- Allein hinter verschlossener Tür „durcharbeiten“ — Transparenz und zweite Person sind Pflicht.