
Die Lage
Wildnis, nächster Laden dreißig Kilometer entfernt. Fünfzehn paddeln los, fünf bleiben im Camp. Drei der Bleibenden sind volljährig, zwei minderjährig – Aufsicht habt ihr an die Volljährigen delegiert. Zurück kommen hungrige Kanufahrer, leere Kisten, und die Kalkulation war von vornherein knapp.
Zwei Dinge sind gleichzeitig wahr: Die Planung war zu knapp, und das Wegessen war unsozial. Beides benennt ihr – nicht nur die Kinder schuldig sprechen, nicht nur die eigene Fehlkalkulation verschweigen. Hungrige Gruppen sind keine gute Lerngruppe; zuerst essen, dann klären.
Die Küche und eure Vorratsplanung gehören zusammen. Wer Mengen, Schlüssel und Verantwortung klärt, verhindert die nächste Leerfrage. Volljährige ohne Leitungserfahrung sind keine Ersatzaufsicht auf Verdacht.
Was jetzt
Sofort Ersatz organisieren, auch wenn es den Etat sprengt. Niemand bleibt ohne Essen – weder die Kanugruppe noch die Zurückgebliebenen. Was ihr habt, teilt ihr fair; was fehlt, besorgt ihr: Nachschub, Anruf, Fahrt zum nächsten Einkauf.
Vor der Gruppe sachlich: Der Vorrat reichte nicht für alle, und der Rest wurde ohne Absprache aufgegessen. Beides ist ein Problem. Keine Moralpredigt statt Essen – erst satt, dann Gespräch.
Aufsicht klären: Volljährige waren keine Ersatzleitung. Nächstes Mal klare Mengen, verschlossene Bereiche, Schlüssel nur bei Leitung. Konsequenz für das Wegessen – wer, was, wie – ohne die Minderjährigen zum Sündenbock zu machen. Die Erwachsenen im Team tragen Mitverantwortung für die Planung.
- Sofort Ersatz organisieren, niemand hungrig lassen
- Beides benennen: knapp geplant und unsozial gegessen
- Aufsicht und Vorratsregeln für nächstes Mal klären
- Konsequenz ohne Sündenbock
Nicht tun
Hunger löst ihr mit Essen, nicht mit Vorwürfen – und ehrliche Planung verhindert Wiederholung.
- Die Hungrigen mit Moralpredigt statt Essen abfertigen — leere Mägen hören nicht zu.
- Nur die Kinder anschreien und die eigene Fehlkalkulation verschweigen — das untergräbt Vertrauen.
- „War doch lockere Selbstversorgung“ nachschieben — bei Minderjährigen und knappem Vorrat gilt klare Verantwortung.
- Die nächsten Tage weiter auf Kante fahren — Nachschub und Puffer einplanen.
- Minderjährige für das Verhalten Volljähriger büßen lassen — Aufsichtsklärung zuerst.