
Die Lage
Ihr trefft einen Jugendlichen beim Kiffen – auf dem Gelände, im Wald, im Bad. Er gibt den Stoff ab, schwört, nichts mehr dabeizuhaben, und bittet euch dringend: Bitte der Leitung nichts sagen – sonst fliegt er raus, die Eltern erfahren es, alles ist kaputt. Vertrauen ist auf Freizeiten wertvoll. Ein Geheimnispakt gegen die Teamregel ist es nicht.
Der Jugendliche testet eine Grenze: Teammitglied oder Kumpel? Ihr könnt Beziehung halten und trotzdem eurer Aufsichtspflicht nachkommen – das schließt sich nicht aus. Was nicht geht: Schweigen zusagen, das ihr nicht halten könnt und nicht halten dürft. Schutz schlägt Vertraulichkeit, wenn Gesundheit, Sicherheit und eure gemeinsamen Regeln auf dem Spiel stehen.
Kiffen auf der Freizeit ist kein privates Experiment im Nebenzimmer. Es betrifft den Jugendlichen selbst, die Gruppe, eure Haftung und manchmal Dritte, die mitgeraucht haben oder mitbekommen. „Unter uns“ macht euch zum Mitwisser – und den Jugendlichen allein mit einem Problem, das zu groß für euch ist.
Was jetzt
Schutz zuerst: Stoff sicherstellen, Jugendlichen nicht allein lassen – zweite Person sofort ins Bild, keine Einzelgespräche hinter verschlossener Tür. Körperlich und psychisch einschätzen: wirkt er benommen, desorientiert, ängstlich? Dann Leitung und ggf. medizinische Hilfe ohne Zögern.
Klar und freundlich sagen: Ihr könnt dieses Geheimnis nicht halten. Ihr informiert Leitung und Träger – nicht als Verrat, sondern weil ihr verantwortlich seid. Kein leeres Versprechen von „ich sag nichts“. Konsequenz nach der bekannten Linie, nicht nach eurem Bauch oder der Bitte des Jugendlichen.
Beziehung halten, wo möglich: Ihr seid nicht gegen ihn, ihr seid für seinen Schutz. Sorgeberechtigte informiert der Träger nach Linie. Loyalität gilt dem Schutz, nicht dem Coolness-Pakt. Wenn er wütend ist – das ist erlaubt. Trotzdem bleibt die Linie.
Nicht tun
Nicht Vertrauen mit Schweigen verwechseln – Vertrauen heißt auch, ehrlich zu sagen, was ihr tun müsst.
- Nicht „unter uns“ zusagen und die Leitung täuschen – ein gebrochenes Versprechen zerstört mehr Vertrauen als ehrliche Ankündigung.
- Nicht selbst konsumieren, aufheben oder „nur wegwerfen und gut“ – ihr seid Aufsicht, nicht Mitspieler, und der Stoff gehört in die dokumentierte Sicherstellung.
- Nicht als Amateur-Beratung zur Sucht auftreten – ihr seid keine Therapeuten; bei Bedarf vermittelt der Träger Fachstellen.
- Nicht den Jugendlichen vor der Gruppe vorführen – Schutz ja, öffentliche Bloßstellung nein.