
Die Lage
Es fängt subtil an: Augenrollen, wenn eine bestimmte Person anspricht. Kinder oder Jugendliche hören nicht zu, weichen aus, widersprechen lauter als sonst. Mehrere Teilnehmende entziehen sich den Ansagen dieser einen Person im Team. Es wirkt persönlicher als die übliche Provokation gegen „die Leitung“ – Ton, Nähe, Humor oder Härte kommen bei der Gruppe nicht an.
Das ist ein Teamthema, kein Gesichtsverlust einer einzelnen Person, den man mit „haltet zusammen“ wegdrückt. Eure Aufgabe ist, zu prüfen, ob hinter der Reibung ein nachvollziehbarer Grund steckt oder ob die Gruppe gerade testet, ob sie eine Person ausscheren kann. Beides verlangt unterschiedliche Antworten – und beides beginnt im Teamgespräch, nicht im Flur vor Zeugen.
Was jetzt
Zuerst trennen: platte Provokation, persönliche Reibung, nachvollziehbarer Grund. Nicht alles in einen Topf werfen. Dann klärendes Gespräch Leitung plus betroffene Person – ohne Anklage, mit konkreten Situationen. Was ist passiert, wann, wo? Was hat die Gruppe gesehen?
Danach im Team: Fakten, nicht Charakterurteile. Wo der Grund stichhaltig ist – Ton, Nähe, Härte, Aufgabe – ändert ihr Verhalten oder Zuständigkeit. Wo nicht: Linie halten und die Gruppe nicht gegen die Person hetzen lassen. Eine gemeinsame Haltung nach außen, sobald ihr euch intern verstanden habt.
- Trennen: Provokation, persönliche Reibung, nachvollziehbarer Grund
- Klärendes Gespräch Leitung plus betroffene Person – ohne Anklage
- Im Team: konkrete Situationen, nicht Charakterurteile
- Stichhaltiger Grund: Aufgabe, Ton oder Zuständigkeit ändern
- Kein stichhaltiger Grund: Linie halten, Gruppe nicht gegen Person hetzen lassen
In den nächsten Tagen beobachten: Hat die Anpassung gewirkt, braucht es Vertretung bei bestimmten Einheiten, wer spricht mit der Gruppe, wenn wieder getestet wird?
Nicht tun
Teamkonflikte vor Teilnehmenden auszutragen, macht aus euch Material für Gerüchte:
- Nicht öffentlich die Kollegin oder den Kollegen bloßstellen – das bestätigt die Gruppe in ihrer Abwertung
- Nicht reflexhaft „das Team hält zusammen“ und wegschauen – dann bleibt der Grund ungeklärt
- Nicht mit Teilnehmenden über die Person lästern – ihr werdet Teil der Dynamik
- Nicht Amateur-Therapie am Charakter der Person machen – Verhalten und Situationen reichen
- Nicht die betroffene Person allein mit der Gruppe zurücklassen, ohne vorher geklärt zu haben