
Die Lage
Gerade eben ging es noch um Reihenfolge, um ein Wort, um eine Regel. Dann dreht sich ein Kind weg, spuckt euch ins Gesicht und rennt davon. Die Gruppe verstummt oder kreischt. Ihr steht da mit Schock, Wut und dem unangenehmen Gefühl, dass das Kind gerade eine Grenze überschritten hat, die nicht verhandelbar ist – oft in voller Erregung, manchmal auch mit Kalkül.
Anspucken ist keine „starke Emotion“, die man weglächelt. Es ist eine harte Grenzüberschreitung gegen eine Person mit Aufsicht. Gleichzeitig braucht ihr Distanz für euch selbst und eine klare Linie für das Kind. Beides, nicht nur eines. Wer jetzt jagt oder zurückschlägt, verliert den Rahmen und gibt der Gruppe ein Bild, das ihr nicht wollt.
Was jetzt
Die ersten Minuten gehören der Sicherung. Runterkommen, Gesicht abwischen, zweite Person holen. Das Kind im Blick behalten – aus Distanz, nicht im Sprint. Wenn es noch außer Rand und Band ist, erst Ruhe herstellen: Raum, keine Zuschauer, keine lange Strafpredigt in der Hitze des Moments.
Ist das Kind erreichbar, folgt ein kurzes, klares Gespräch zu zweit: Das geht nicht. Entschuldigung. Welche Folge das nach euren Regeln hat. Kein Theater, kein „Jetzt wirst du sehen.“ Kocht es noch, verschiebt ihr dasselbe Gespräch um eine halbe Stunde – aber ihr lasst es nicht untergehen, nur weil der Abend weiterläuft.
- Kurz sichern: selbst beruhigen, zweite Person dazu, Kind im Blick
- Wenn erreichbar: kurz, klar, ohne Demütigung – Grenze, Entschuldigung, nächste Folge
- Wenn noch in Erregung: abkühlen lassen, dann dasselbe Gespräch nachholen
- Im Team Konsequenz nach den Regeln festlegen, nicht aus persönlicher Kränkung
- Sorgeberechtigte informieren, wenn es schwerwiegend oder wiederholt ist
Am Abend kurz im Team: Wer spricht morgen mit dem Kind weiter, braucht es Trennung vom Gegenüber, was sagt ihr der Gruppe – knapp, ohne Details?
Nicht tun
In solchen Momenten verführt der Affekt zu Schnellreaktionen, die ihr später nicht mehr sauber erklären könnt:
- Nicht hinterhersprinten und festhalten, als wärt ihr in einer Verfolgungsjagd – das eskaliert und gefährdet euch
- Nicht zurückspucken, schlagen oder vor der Gruppe demütigen – ihr werdet zum Gegenüber, nicht zur Leitung
- Nicht so tun, als wäre das „nur Emotion“ und damit erledigt – die Grenze muss benannt werden
- Nicht allein lange nachsitzen – zwei Personen, Tür offen, sichtbarer Rahmen
- Nicht die Gruppe als Zeugenbank nutzen – kurze Info ja, Details nein