Ziele der Freizeit:

Auch wenn in der Ausschreibung oder bei einem Vortreffen die Ziele einer Freizeit selten in solch einer Auflistung formuliert werden, so wird ein pädagogisch denkender Freizeitmitarbeiter weit mehr mit seinem Angebot bezwecken wollen, als einer Gruppe Kids ein paar erholsame Tage zu verschaffen.
Je nach Gegebenheit vor Ort, Struktur der Gruppe, Kompetenz und Interessen der Mitarbeiter, inhaltlicher Ausrichtung des Trägers etc. werden sich Ziele unterschiedlich gewichtet in der Freizeit wieder finden.
Um Zielort, Beschaffenheit der Unterkunft und deren Umgebung, Programm und Material gezielt auswählen zu können, erscheint es sinnvoll, sich als ersten Schritt in der Freizeit-Vorplanung über Ziele der Freizeit Gedanken zu machen und sich im Team über diese Ziele auszutauschen.

Erholung:

Ich halte für Schüler eine Erholung vom Schulalltag, aber auch vom familiären Alltag für wichtig.
Erholung bedeutet, gerade mit der besonderen Andersartigkeit eines Tagesablaufs für vierzehn Tage ein eindrucksvolles Kontrastprogramm zum vertrauten, vielleicht sogar langweilig oder aber stressig gewordenen Alltag zu Hause zu finden.
Alltägliche Verantwortlichkeiten können eingetauscht werden gegen neu organisierte Tagesabläufe oder auch eingetauscht werden gegen neue Verantwortungen; Alltagsverpflichtungen dürfen vergessen werden, dafür hat man Erlebnisse, Erfahrungen, Vergnügen in ungewohnt angehäufter Intensität.
Ein ausschließlicher Rückzug in exzessives Ausschlafen und gepflegtes Nichtstun hat für mich wenig mit Erholung zu tun. Solches „Abhängen“ kann schnell zu Träg- und Schlaffheit führen; ein Energietanken bliebe womöglich auf der Strecke.

Spaß haben:

Es macht einfach Spaß, andere Kinder und Jugendliche kennenzulernen, Aufregendes zu erleben, lustige Spiele und spaßige Programmpunkte durchzuführen, nachts im Mehrbettzimmer bis zum Morgengrauen zu quatschen, kichern, lachen…

Soziale Interaktion/ Gemeinschaftsbildung:

Wenn es auf der Freizeit gelingt, nicht nur ein Nebeneinander, sondern im Miteinander ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen, dann wird dies zum vielleicht wichtigsten Erlebnis der gesamten Freizeit. Neue Bekanntschaften finden sich. In ungezwungener Weise tauscht man sich mit anderen aus, an denen man wahrscheinlich im Alltagsleben schweigend vorbeigelaufen wäre, Freundschaften entstehen… und in manch besinnlichen Momenten spürt man die Vertrautheit, den Halt und die Wärme des Dazugehörens. Solch eine Erfahrung mag in der Leistungs- und Konkurrenzwelt der Schule, der Hoheitseroberungen auf dem Schulhof oder in der Straßenclique eher eine Seltenheit sein.

Kulturelle Eindrücke:

Kulturelle Eindrücke müssen nicht erst erfolgen, wenn der Zeltplatz in Griechenland direkt an die Akropolis grenzt. Bei Auslandsfahrten sind die Teilnehmer von vielen alltagskulturellen Elementen umgeben. Sollte etwa die Freizeit aus einer Trabantenstadt direkt in die Wildnis Schwedens führen (ganz ohne Strom, ohne fließend heißem Wasser und kilometerweit keinem Fitzelchen Zivilisation… (nur Natur pur und damit die völlige Abwesenheit von Kultur), dann hat auch dies letztlich mit einem kulturellen Eindruck zu tun.
Es mag auch nicht auszuschließen sein, dass manches Kind, mancher Jugendliche eine für ihn neue Ess- oder Gesprächskultur kennenlernen könnte.

Gewinnung von Selbstvertrauen:

Jeder Teilnehmer sollte möglichst früh erkennen: Hier kann ich mich so geben, wie ich wirklich bin, brauche mich nicht künstlich verstellen, einen auf dicke Hose machen etc.
Dies ist eine gesunde Basis, um das eigene Selbstvertrauen aufzubauen. Erfahrungen, dass man etwas darstellt oder leistet, was bei anderen Anerkennung findet, mehr noch was einem sogar den eigenen Respekt abverlangt, fördert das Selbstvertrauen ebenso wie die Erfahrung, in dieser Gemeinschaft akzeptiert und vielleicht sogar gemocht zu werden, ohne dafür etwas besonderes leisten oder darstellen zu müssen.

Selbständigkeit:

Sich auszuprobieren, plötzlich Dinge tun zu wollen (oder auch zu müssen), die zu Hause vielleicht immer noch durch die Eltern erledigt werden, dass man sich auch von älteren oder selbständigeren Kindern und Jugendlichen etwas abguckt… dass man Vertrauensvorschuss bekommt und sich darum bemüht, diesen nicht zu verwirken… all dies führt dazu, dass man auf der Freizeit in ganz positivem Sinne älter wird.

Verantwortungsübernahme:

Zur Gewinnung von Selbstständigkeit gehört auch Verantwortungsübernahme – für sich selbst und auch für andere. Eine Verantwortung übertragen zu bekommen hat etwas mit Vertrauen genießen zu tun, was einem schmeichelt; Verantwortung zu tragen, ist jedoch selten frei von Ängsten.
In diesem Spannungsfeld gilt es, positive Erfahrungen zu ermöglichen. Ein Teilnehmer kann beispielsweise dafür verantwortlich sein, ein Spiel mit der Gruppe durchzuführen oder jüngere Teilnehmer beim Stadtbummel in seine Obhut zu nehmen.
Eine Freizeit bietet also eine große Bandbreite an Situationen, um verantwortliches Handeln auszuprobieren und zu trainieren.

Sportliches Engagement:

Sicherlich darf sich eine Freizeit nicht in der fortwährenden Einnahme von Mahlzeiten und ein wenig „Ringelpiez mit Anfassen“ erschöpfen. Gerade die körperliche Aktivität im Sinne von Bewegungserfahrung, aber auch sportliche Wettkämpfe, attraktive neue sportliche Betätigungen (wie z.B. das erste Mal Segeln oder Skifahren) oder das Trainieren bestimmter sportlicher Abläufe ermöglicht und fördert das Ausleben des eigenen Bewegungsdranges, Gruppenerleben, Spaß an der Bewegung und am sportlichen Wettstreit sowie wachsendes Selbstvertrauen, wenn sich sportliche Abläufe im Training elegant zu verselbständigen beginnen.

Kreative Ausdrucksmöglichkeiten:

Ein wesentliches menschliches Grundbedürfnis ist, wahrgenommen zu werden. Bei darstellerischen Spielen, beim →Teilnehmerabend, beim ideenreichen und liebevollen Schmücken für eine Party, ja sogar beim Kochen kann die kreative Ader eines Jeden zur Geltung kommen, darf anerkannt und beklatscht werden.
Eine Freizeit sollte den Rahmen bieten, dass Kreativität aufkeimen kann, gefördert wird und eine Plattform für ihre Präsentation geboten bekommt.

Geistige Anregungen:

Bei den vielfältigen Gesprächskonstellationen der Kinder und Jugendlichen untereinander, ob nun Zweier- und Dreiergespräche oder eine Gruppendiskussion, ob im Austausch mit einem Betreuer oder beim Abendabschluss… auf einer Freizeit tun sich viele Quellen auf, aus denen geistige Anregungen geschöpft werden können. Es mögen besondere, wertvolle oder schöne Gedanken sein, die über die Dauer der Freizeit hinaus reichen und bereichern.

Solidarität/ Toleranz lernen:

Da in einer Gruppe nicht permanent die Bedürfnisse jedes Einzelnen berücksichtigt werden können, da man sich häufig mit mehreren ein Zimmer teilt, da man sich beispielsweise auf Rad- oder Wandertouren eher am Tempo der Langsameren orientiert, wird auf ganz selbstverständliche Weise Toleranz eingeübt.
Dieses Selbstverständnis entspringt dem Erleben: „Ich bin hier nicht Chef, sondern einer von vielen… und das Verständnis und die Rücksichtnahme, die ich hier jedem anderen entgegenbringe, die darf ich dann auch für mich beanspruchen.“
Damit ist eine wesentliche Bedingung zum Solidaritätsverständnis geschaffen.

Ängste vor Fremdem überwinden lernen:

Eine Freizeit mag, besonders für Kinder, viele Erlebnisse, Eindrücke und Gefühle bereithalten, die etwas Fremdes, Neues bedeuten. Und nicht selten müssen Vorbehalte, Irritationen und Ängste vor dem Andersartigen, dem Fremden überwunden werden.
Das geschieht einerseits in Solidarität mit vielen (Kindern), denen es ähnlich ergeht… und es geschieht andererseits in der pädagogischen Begleitung durch Betreuer… Freizeit kann ein Übungsfeld dafür schaffen, dass Fremdes durch fortwährende Auseinandersetzung zu etwas Vertrautem wird.

Nach der Freizeit Teilnehmer für ein regelmäßiges Gruppenprogramm rekrutieren:

Da die meisten Kinder- und Jugendfreizeiten von Trägern veranstaltet werden, die neben dieser einen Fahrt auch noch Kinder- und Jugendgruppen anbieten, ist es ein leicht nachvollziehbares Ziel, aus einer Freizeit heraus Teilnehmer für regelmäßige bereits aktive Gruppenangebote zu gewinnen; solche Teilnehmer haben durch intensive Erfahrungen auf der Freizeit andere Gruppenteilnehmer, Mitarbeiter und den grundsätzlichen pädagogischen Stil kennengelernt und sind vielleicht auch schon eine gewisse Bindung eingegangen.
Ebenso ist jedoch denkbar, dass das Erlebnis einer Gemeinschaft über die Grenze der Freizeit hinübergerettet werden soll und so plant man, sich ab sofort regelmäßig im Vereinshaus, der Kirchengemeinde, dem Jugendfreizeitheim etc. zu treffen – es etabliert sich also eine neue Gruppenarbeit.

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